Zwangsarbeiterlager Lenne

Web Mapping als digitale Gedenkstätte

Erinnerung an Nationalsozialismus und Zwangsarbeit im Landkreis Holzminden
Seit den 1980er Jahren haben sich verschiedene Institutionen der Geschichte der Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus im Landkreis Holzminden angenommen. Seit 2008 wurde von der Kreisvolkshochschule Holzminden das ehemalige „Lager Lenne" zu einer Erinnerungsstätte ausgebaut. Eine weitere Gedenkstätte ist der Ehrenfriedhof bei Holzen.

Mit der Umsetzung des Projektes "Lager Lenne" und der Visualisierung im Geo-Portal des Landkreises Holzminden soll die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und die Herrschaft der Nationalsozialisten wach gehalten werden.

Zur Geschichte der Zwangsarbeit im Hils bei Eschershausen
Auf die Überlegenheit der alliierten Luftstreitkräfte im Zweiten Weltkrieg reagierte das nationalsozialistische Regime seit 1943 mit der Untertageverlagerung von Rüstungsproduktion in Bergwerke und Höhlen. Das Stollensystem des Asphaltabbaus im Mittelgebirgszug des Hils bei Eschershausen im Landkreis Holzminden bot gute Voraussetzungen für die Einrichtung einer Untertageproduktion.

Ab Mitte 1944 entstand ein Rüstungskomplex mit Lagern für KZ-Häftlinge, Strafgefangene und Zwangsarbeiter. Das Lenner Lager war mit ca. 5.000 Häftlingen das größte Zwangsarbeiterlager in diesem Rüstungskomplex im Hils und ist seit 2008 Gedenkstätte mit Ausstellungsgebäude.

Nachdem bereits Ende 1943 verschiedene Firmen in den Stollen Material und Maschinen eingelagert hatten, setzte ab Mitte 1944 im Zuge des „Jägerprogramms" ein Verteilungskampf der Rüstungsindustrie um die Untertageflächen ein. Neben Firmen wie der Lorenz AG, dem Zahnradhersteller Reinhardt und der Deutschen Edelstahlwerke AG drängte vor allem die Volkswagenwerk GmbH in den Hils. Im Oktober 1944 kamen weitere Firmen hinzu. Unter den Tarnnahmen „Hecht" und „Stein" entstand ein Rüstungskomplex, in dem bis Kriegsende weder der Ausbau der Stollen noch die Rüstungsvorhaben im geplanten Umfang umgesetzt werden konnten.

Der millionenfache Einsatz von Zwangsarbeitern bildete das Rückgrat der Kriegswirtschaft. Seit Frühjahr 1944 wurden im Umfeld Eschershausens Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald und des Zuchthauses Hameln-Celle und mehrere Lager für Zwangsarbeiter aufgebaut. Unter unmenschlichen Bedingungen lebten und arbeiteten hier mehr als 5.000 Gefangene bis zur Befreiung durch die Amerikaner am 7. April 1945 für die Rüstungsproduktion. Zahlreiche Fundamente der Gebäude sind bis heute im Wald sichtbar.

Umsetzung für das Geo-Portal des Landkreises Holzminden
Für die im Gelände erfassten Objekte und „Spuren" waren zunächst Geodaten zu erzeugen und als Layer in den Karten-Clients darzustellen. Erste Kartierungen erfolgten durch Mitarbeiter der Katasterbehörde, die durch eigene Kartierungen und durch die Auswertung vorhandener Literatur ergänzt wurden.

Im Geo-Portal wurde der Service „Regionalgeschichte" mit der Untergliederung „Zweiter Weltkrieg" eingerichtet, in dem u. a. im Bereich „Zwangsarbeit im Hils" die Layer mit Objekten zur Zwangsarbeit gelistet sind. In den Layern „Erinnerung" und „Endkampf" sind weitere Orte mit Bezug zum Zweiten Weltkrieg aufgeführt. Im Layer „Erinnerung" existiert eine Verlinkung zum Portal „Topografie der Erinnerung" der KZ-Gedenkstätte Moringen, mit der eine intensive Zusammenarbeit besteht.

Fazit
Die Visualisierung in einer grafisch-interaktiven Kartenanwendung stellt eine zeitgemäße Ergänzung der Bemühungen dar, die Erinnerung an dieses dunkle Kapitel der Regionalgeschichte wach zu halten und soll dazu beitragen, die Ergebnisse des Projekts „Lager Lenne" einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Literatur (Auswahl):
- Creydt, D., Meyer, A., Zwangsarbeit für die „Wunderwaffen" in Südniedersachsen 1943-1945, Bd. 1, Braunschweig 1993.
- Creydt, D., Meyer, A., Zwangsarbeit für die Rüstung im südniedersächsischen Bergland, 1939-1945,Bd. 2, Braunschweig 1994.
- Creydt, D., Zwangsarbeit für Industrie und Rüstung im Hils 1943-1945, Bd. 4, Holzminden 2001.
- Grieger, M., Holzen bei Eschershausen ("Hecht"), in: W. Benz und B. Distel (Hg.), Der Ort des Terrors, Bd. 3, München 2006, S. 461-467.
- Mommsen, H., Grieger, M., Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich, Düsseldorf 1996.
- Wagner, J. (Hg.), Wiederentdeckt. Zeugnisse aus dem Konzentrationslager Holzen, Göttingen 2013.